
Im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) entwickelt das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw e. V.) ein kostenfreies Schulungs- und Trainingsprogramm speziell für Pflegefachkräfte auf bayerischen Intensivstationen. Ziel des Programms ist es, die Resilienz der Pflegenden zu stärken und sie mit effektiven Methoden zur Stressbewältigung auszustatten – durch praxisnahe und alltagstaugliche Tools.
In den vergangenen Jahren ist die hohe Arbeitsbelastung von Pflegekräften im deutschen Gesundheitssystem immer sichtbarer geworden. Besonders während der Pandemie waren die Auswirkungen auf den Intensivstationen gravierend. Pflegende erleben eine stetig steigende Arbeitsdichte: Krankenhäuser verzeichnen immer mehr Patient*innen in immer kürzerer Zeit, während gleichzeitig die Zahl pflegebedürftiger älterer Menschen durch die demografische Entwicklung auch in den Kliniken zunimmt. Diese dauerhafte Belastung führt nicht nur zu einer hohen Krankheitsrate, sondern auch zu einer zunehmenden Abwanderung von Pflegekräften in andere Berufsbranchen.
Um der Situation entgegenzuwirken, untersuchte Univ.-Prof. Dr. Dr. med. habil. Dr. phil. Dr. theol. h. c. Eckhard Nagel im Auftrag des StMGP die Belastungen und Herausforderungen von Pflegekräften auf bayerischen Intensivstationen. In seinem Gutachten wurden konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet, um die intensivmedizinische Versorgung in bayerischen Krankenhäusern zu sichern. Dabei wurde betont, dass nicht nur die Anpassung von Rahmenbedingung erforderlich ist, sondern auch das Empowerment der Pflegenden selbst. Eine stärkere Resilienz und die Entwicklung individueller Strategien zur Stressbewältigung sind entscheidend.
Um diese Ziele zu erreichen, entwickelt der bbw e. V. das Schulungs- und Trainingsprogramm STARK in der Intensivpflege, das Pflegefachkräfte zu Multiplikator*innen ausbildet. In diesem Programm werden den Teilnehmenden Strategien zum Aufbau von Resilienz sowie Methoden zur positiven Stressbewältigung vermittelt. Der Fokus liegt auf praxisnahen Tools, die die Pflegenden direkt in ihrem beruflichen Alltag anwenden können. Diese Kenntnisse werden anschließend im Team weitergegeben, sodass die gesamte Intensivstation von den Verbesserungen profitieren kann.
Bei der Entwicklung des Projekts greift der bbw e. V. auf die langjährigen Erfahrungen des bestehenden Stresspräventionsprogramms STARK – Resilienz und Stresskompetenz in Schule und Ausbildung zurück. Ziel dieses Programms ist es, die psychische Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu stärken. Durch Fortbildungen von Multiplikator*innen im schulischen Bereich, wie z.B. Lehrkräften und Schulpsycholog*innen werden Schülerinnen und Schüler systematisch darin unterstützt, einen gesunden Umgang mit Belastungen zu erlernen, ihre Stresskompetenz zu steigern und somit ihre persönliche Resilienz zu stärken. In den vergangenen Jahren konnten durch das Programm auch mehr als 20 Berufsfachschulen für Pflege erreicht werden.
Das Projekt ist zunächst auf einen Zeitraum von drei Jahren bis September 2027 angelegt und gliedert sich in drei Projektphasen:
- Vorbereitungsphase (2025)
In dieser Phase wird der tatsächliche Bedarf an Unterstützung durch Interviews mit Expert*innen vor Ort in den Kliniken in ganz Bayern ermittelt. Auf dieser Grundlage wird ein maßgeschneidertes Schulungs- und Trainingsprogramm entwickelt.
- Pilotphase (Ende 2025)
Das entwickelte Schulungs- und Trainingsprogramm wird auf zwei Intensivpflegestationen getestet, ausgewertet und gegebenenfalls angepasst.
- Umsetzungsphase (2026/2027)
Ab 2026 können alle interessierten Intensivstationen ihre Pflegekräfte kostenfrei zu Multiplikator*innen ausbilden lassen.
Das Projekt wird wissenschaftlich von INIFES - Internationales Institut für empirische Sozialforschung gGmbH begleitet.
Haben wir Ihr Interesse geweckt?
Gerne können Sie sich bei Fragen oder Interesse an einer Teilnahme an die Projektleitung Lisa Mausbach unter der E-Mail-Adresse wenden.